Durch meine ehrenamtliche Arbeit mit vielen afrikanischen Flüchtlingen in den letzten 10 Jahren wuchs mein Interesse an dem sogenannten „Schwarzen Kontinent“ und insbesondere Westafrika.
Seitdem erweiterte ich mein Wissen über Afrika, die Kolonialgeschichte und die heutige Rolle Afrikas in der Welt laufend. Als ich auf die Menschen in Gambia traf, war ich überwältigt von deren Freundlichkeit, Geduld und Lebensfreude trotz aller Schwierigkeiten und Armut, die ihre ständigen Begleiter sind. Ich bewundere ihr Improvisationsvermögen und ihre Kreativität mit denen sie ihren schwierigen Alltag – meist ohne Strom und oft auch ohne sauberes Wasser – meistern. Ich begann Kinder und Familien mit Schulgeld, Geld für Lebensmittel, Baumaterial und Medikamente zu unterstützen. Gemeinsam mit einigen Gambiern überlegten wir, wie wir einer größeren Zahl von Kindern und Jugendlichen nachhaltige und effektive Hilfe zukommen lassen könnten. Ziel ist, Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln, eine Perspektive im Leben aufzubauen und eine Zukunft im Land zu ermöglichen. Dadurch sollte die Migration ins Ausland und die damit verbundenen Risiken unnötig werden. Auf diese Weise entstanden unser gemeinnütziger Verein und unsere Pläne für ein Ausbildungszentrum.
Gambia ist das kleinste Land Afrikas. Nicht nur die Küste – die sogenannte „Smiling Coast“ – am Atlantik ist für Touristen ein Paradies, auch das Innere des Landes ist sehr sehenswert. Die ungefähr 80 km Küstenlinie sind vom Tourismus geprägt. Dieser liegt allerdings seit Corona brach und damit ist eine wichtige Einnahmequelle weggebrochen (ca. 18 % des Bruttoinlandsprodukts). Erst in dieser Saison 2024 sind wieder mehr Touristen gekommen. Das Land bietet für jedes Bedürfnis viel. Man kann am Strand liegen, luxuriös oder einfacher, und viele Tourenangebote ermöglichen Einblick in die abwechslungsreiche Landschaft und die vielfältigen Traditionen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Menschen sind sehr freundlich und liebenswert und tun alles, damit die Gäste den Urlaub genießen können. Aufgrund der britischen Kolonialgeschichte ist die Amtssprache Englisch und die Verständigung fällt meist nicht schwer.
Die offensichtliche Notlage
Für die Menschen, die dort aufwachsen und leben, gestalten sich die Perspektiven nicht immer rosig. Viele leben vom Fischfang, wobei die ausländische Konkurrenz, u.a. der Hochseeschifffang, den Fischern das Leben schwer macht. Wer kann, baut selbst Gemüse an. Sauberes Wasser und Elektrizität ist nicht für alle selbstverständlich. Für die meisten ist der Kampf ums Überleben Alltag geworden. Eine gute Schulbildung allein ist noch keine Garantie für eine einträgliche Berufstätigkeit. Ohne die nötigen Beziehungen wird es schwierig. Wer von der Hand in den Mund lebt, kann leicht in sehr prekäre Situationen kommen und die nächsten Mahlzeiten stehen schnell in Frage. Wer bezahlt das Schulgeld für die Kinder? Mit welchen Mitteln repariert man das ohnehin baufällige Haus nach einem Regen oder Sturm? Viele Kinder verlieren ihre Eltern oder zumindest einen Elternteil bevor sie erwachsen werden.
Die öffentliche Hand hat zwar Mittel zur Verfügung, diese werden für die Verbesserung der Infrastruktur verwendet. Es gibt Schulen, Krankenhäuser, Gesundheitsstationen und sogar eine Universität. Deren Nutzung ist jedoch nicht vollkommen kostenlos. Die Einkommen reichen kaum zum Überleben und Sonderausgaben, wie zum Beispiel Schulgeld, Medikamente o.ä. können häufig nicht aus eigener Kraft erwirtschaftet werden. Viele Familien sind auf Überweisungen ihrer Verwandten im Ausland angewiesen.
Deshalb träumen viele junge Leute von einer Zukunft und Arbeitsmöglichkeiten im europäischen Ausland, bzw. in den USA oder Kanada. Ohne regelmäßige Arbeit und ohne äußere Tagesstruktur sitzen sie häufig nur herum. Nicht wenige versuchen sich als Drogendealer oder werden anderweitig kriminell. Sie warten in der Hoffnungslosigkeit nur darauf, den Migration ins Ungewisse zu wagen. Dabei werden viele Schwierigkeiten in Kauf genommen und sogar das eigene Leben aufs Spiel gesetzt.